Molkerei-Chefin: „Die Verbraucher-Milch passt perfekt in die Zeit“

Karin Artzt-Steinbrink im Interview

Als Pionier für faire Milch ist die Upländer Bauernmolkerei der richtige Partner für das Projekt der Verbraucher-Milch, findet Geschäftsführerin Karin Artzt-Steinbrink. Warum das Projekt gerade jetzt gute Chancen auf Erfolg hat, erzählt sie im Interview.

Lesedauer: 7 Minuten

Milch, die in Eimer abgefüllt wird

Upländer Bauernmolkerei – der Name zeigt, dass Landwirtinnen und Landwirte aus der Region in ihrem Unternehmen eine starke Stimme haben.
Karin Artzt-Steinbrink:
Unsere Milchbauern bestimmen die Grundlinien der Geschäftspolitik. Wir sind ähnlich einer Genossenschaft organisiert: Hauptgesellschafter ist eine Milch-Erzeugergemeinschaft; die übrigen Anteile halten Umweltschützer sowie eine Reihe von Privat- und Geschäftsleuten aus der Region. Aktuell beliefern uns 115 Landwirte mit jährlich etwa 40 Millionen Liter Bio-Milch.  

Karin Artzt-Steinbrink
Karin Artzt-Steinbrink Karin Artzt-Steinbrink ist Geschäftsführerin Upländer Bauernmolkerei.

Was reizt Sie, sich an dem Projekt der Verbraucher-Milch zu beteiligen?
Karin Artzt-Steinbrink:
Die Idee, nachhaltige Milch zu fairen Konditionen anzubieten, passt gut in unsere Ausrichtung. Sie ist letztlich eine Weiterentwicklung unseres Konzepts, faire Bedingungen für Landwirte zu schaffen und gleichzeitig bei den Verbrauchern Wertschätzung für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu wecken. Wir haben bereits 2005 als bundesweit erste Molkerei faire Milch auf den Markt gebracht und waren auch Pionier bei der Milcherzeugung ohne Gentechnik. Zudem setzen wir uns seit unserer Gründung 1996 für faire Milchpreise ein.


Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben in der Befragung hohe Anforderungen an „ihre“ Milch formuliert. Inwieweit erfüllte die Upländer Bauernmolkerei beziehungsweise ihre Milchbetriebe diesen Katalog? An welchen Stellen mussten sie gegebenenfalls nachbessern?
Karin Artzt-Steinbrink:
Unsere Arbeitsweise ähnelt in vielen Punkten dem Konzept, das die Initiative vorgibt. Deshalb mussten wir keine umfangreichen Anpassungen vornehmen. So verbringen die meisten Kühe unserer Landwirte ohnehin mehr als die geforderten 120 Tage im Jahr auf der Weide. Und in der Mehrzahl der Fälle verfüttern die Bauern nicht nur regional hergestelltes, sondern sogar selbstproduziertes Futter. Einzig bei Kraftfutter musste sich der eine oder andere Landwirt umstellen. Denn das muss laut Projektanforderung aus der Region stammen. Zuvor hatten die Landwirte Kraftfutter dort eingekauft, wo es gerade im Angebot war, ohne auf Regionalität zu achten.  

„Den Verbrauchern ist eine gesunde Ernährung wichtig und sie interessieren sich stärker für Themen des Umwelt- und Klimaschutzes.“Karin Artzt-Steinbrink

Welche Kapazitäten planen Sie für das Projekt der Verbraucher-Milch?
Karin Artzt-Steinbrink:
Wir sind sehr flexibel. Kurzfristig können wir drei bis vier Millionen Liter pro Jahr liefern, bei Bedarf auch mehr. Dazu würden wir weitere Bio-Landwirte in das Projekt einbinden. Das ist jederzeit möglich, denn wir führen eine Warteliste. Im vergangenen Monat haben wir zudem mit dem Bau einer neuen Produktionshalle begonnen, die unsere Kapazitäten weiter erhöht. Diese Investitionsentscheidung war unabhängig von dem Verbraucher-Milch-Projekt, denn wir möchten unseren Produktionsschwerpunkt „Trinkmilch in besonderen Qualitäten“ weiter ausbauen und weitere Sorten aufnehmen. Jetzt, mit der Verbraucher-Milch, macht die Erweiterung umso mehr Sinn. 


Was stimmt Sie zuversichtlich, dass das Projekt der Verbraucher-Milch ein Erfolg wird?
Karin Artzt-Steinbrink:
Es passt perfekt in die Zeit! Bio-Milch ist ohnehin seit einiger Zeit wieder mehr gefragt – und die Corona-Krise hat diesen Trend noch einmal verstärkt. Den Verbrauchern ist eine gesunde Ernährung wichtig und sie interessieren sich stärker für Themen des Umwelt- und Klimaschutzes.


Aber nur wenig akzeptieren, dass dies nicht zum Null-Tarif zu haben ist.
Karin Artzt-Steinbrink:
Deshalb gefällt mir die Befragung. Sie schafft Transparenz und macht deutlich, dass Mehr-Anforderungen immer auch einen Preisaufschlag nach sich ziehen. Die Verbraucher müssen sich ernsthaft damit auseinandersetzen, was ihnen wichtig ist. Das schärft das Bewusstsein weit mehr als wenn wir Flyer verteilen, auf denen die Zusammenhänge erklärt sind. 

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