Milchbauer Sven Lorenz: „Mehr Geld für mehr Tierwohl“

Gastbeitrag zur Verbraucher-Milch

Milchbauer Sven Lorenz, 43, erläutert, warum auch ein gut aufgestellter Bio-Betrieb in Bedrängnis geraten kann und wieso die Idee einer Verbraucher-Milch eine Wende einläuten könnte.

Lesedauer: 6 Minuten

Kühe im Stall

„Unser Hof steht da, wo viele andere Leute Urlaub machen: im nordhessischen Vöhl, direkt am Edersee. 32 Hektar Ackerland, 80 Hektar Grünland, 110 Kühe, 90 Rinder und 20 Kälber. Meine Schwiegereltern haben den Betrieb aufgebaut, 2007 haben meine Frau und ich ihn übernommen. Ich bin ebenfalls auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe später in Göttingen Agrarwissenschaft mit Schwerpunkt Tierproduktion studiert. Seit 2010 sind wir ein Bio-Betrieb, das heißt, wir wirtschaften nach den Richtlinien des Bioland Verbandes.

Familie Lorenz
Sven Lorenz betreibt mit seiner mit Familie einen Bio-Bauernhof im nordhessischen Vöhl.

Milch ist unser Hauptgeschäft. Unsere gesamte Jahresproduktion von etwa 700.000 Liter liefern wir an die Upländer Bauernmolkerei, einen Betrieb in der Region, der nach Art einer Genossenschaft organisiert ist und sich seit vielen Jahren für faire Milch einsetzt. Ich bin Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft. 

„Die Milchkäufer bestimmen, wie produziert wird – und bezahlen entsprechend dafür.“Sven Lorenz, Bio-Milchbauer

Gott sei Dank ist der Preis für Bio-Milch höher als für konventionelle Milch, so dass wir unseren Betrieb in den vergangenen Jahren gut entwickeln konnten. 2008 haben wir einen neuen Kuhstall gebaut, 2016 eine Erweiterung vorgenommen und auf Robotermelken umgestellt. Anders war die Arbeit nicht zu schaffen. Wir beschäftigen lediglich einen festen Mitarbeiter und zwei junge Leute, die bei uns ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren. 47 Cent erhalten wir aktuell pro Liter Milch. Das ist der Grundpreis, je nach Qualität gibt es noch ein paar Cent obendrauf. Das reicht auf Dauer bei weitem nicht aus, um alle notwendigen Investitionen zu finanzieren und den Hof zukunftssicher aufzustellen. Und wenn das Futter einmal knapp ist, so wie in den vergangenen dürren Sommern, kann auch ein gut aufgestellter Bio-Betrieb schnell in Bedrängnis geraten. Dann decken 47 Cent allenfalls die Produktionskosten. Über eine Weiterentwicklung des Betriebs brauchen wir dann gar nicht nachzudenken. Das ist der Grund, warum viele Milchbauern nicht in moderne Ställe investieren und zögern, neue Erkenntnisse im Bereich Tierwohl umsetzen.

Sven Lorenz in seinem Stall
Seit 2010 ist der Hof von Sven Lorenz ein Bio-Betrieb und wirtschaftet nach den Kriterien des Bioland Verbandes. Für die Verbrauchermilch wird zusätzlich der Weidegang vergrößert und Futter aus der Region bezogen.

Welcher Milchpreis auskömmlich wäre? Der Bio-Milch-Marker, den die Universität Kassel regelmäßig erstellt, nennt eine, wie ich finde, realistische Größenordnung von etwa 60 Cent. Das ist in etwa auch der Betrag, den wir im Rahmen des Verbraucher-Milch-Projekts erhalten. Dessen Ansatz ist nach meiner Überzeugung genau richtig: Die Milchkäufer bestimmen, wie produziert wird – und bezahlen entsprechend dafür. So können sie sich mit dem Produkt identifizieren und die Milchbauern erhalten einen vernünftigen Erlös. Viele Dinge, die sich die Verbraucher im Rahmen der Befragung mit Blick auf noch mehr Tierwohl gewünscht haben, gab es bei uns schon. Ein paar Dinge müssen wir jedoch noch nachbessern. So muss der Weidegang vergrößert werden, das heißt, wir müssen Zäune neu setzen. Und auch bei Kraftfutter müssen wir uns ein wenig anders orientieren. Denn Kraftfutter soll nach dem Wunsch der Verbraucher, ausschließlich aus der Region kommen. Das schaffen wir bisher nicht immer. Ich verhandele aber gerade mit zwei Herstellern. Vielleicht können sie uns ein passendes Futter kreieren und die Mehrkosten sind gedeckt.“

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