Spurensuche entlang der Lieferkette

Engagement gegen die Erderwärmung

Klimaschutz im Einzelhandel bedeutet mehr als Märkte energiesparend zu betreiben. Wichtig ist auch: Was passiert entlang der Lieferketten? REWE und PENNY setzen sich darum jetzt ein konkretes Ziel, wie viel Treibhausgasemissionen sie entlang ihrer Eigenmarken-Lieferketten einsparen wollen.

Lesedauer: 11 Minuten

Ein REWE Greenbuilding von innen

Am 12. Dezember 2015 wurde in Paris Geschichte geschrieben: Auf der internationalen Klimakonferenz verpflichteten sich alle Staaten, die Weltwirtschaft auf klimafreundliche Weise zu verändern. Vorangegangen waren viele Jahre intensive Verhandlungen. Nach der bisherigen Regelung im sogenannten Kyoto-Protokoll waren nur einige Industriestaaten dazu verpflichtet gewesen, Emissionen zu senken. Doch seit dem 12. Dezember 2015 gibt es eine verbindliche Vereinbarung zum Schutz des Klimas für alle. Langfristiges Ziel ist es, die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Prozent zu beschränken. Für Deutschland heißt das: Bis 2050 sollen die Treibhausgas-(THG-)Emissionen um 80 bis 95 Prozent niedriger sein als 1990.

Wie lässt sich das erreichen? Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Wirtschaft, denn egal ob Automobilhersteller, Handwerksbetrieb oder Einzelhändler: Nahezu jede unternehmerische Tätigkeit verursacht Treibhausgasemissionen. Wir bei der REWE Group drehen bereits seit mehr als zehn Jahren – und damit lange vor dem Pariser Klimaabkommen – an vielen Stellschrauben, um die Klimabilanz unseres Unternehmens zu verbessern. Zum Beispiel durch LED-Beleuchtung und verglaste Kühlregale in den Märkten von REWE und PENNY. Oder durch eine stetig verbesserte Tourenplanung in der Logistik. Märkte, Verwaltungsgebäude, Läger und Reisebüros werden seit 2008 mit zertifiziertem Grünstrom aus erneuerbaren Energien versorgt. Neubauprojekte in Deutschland setzen wir nach dem anerkannt nachhaltigen Green-Building-Konzept um. Zudem sorgen fein abgestimmte Monitoringsysteme und ein wirksames Energiemanagement für einen kontinuierlich sinkenden Energieverbrauch.

Ein Green-Building von außen
Neubauprojekte in Deutschland setzen wir nach dem anerkannt nachhaltigen Green-Building-Konzept um.

Sparziel in den Märkten fast erreicht

Diese Anstrengungen zeigen Wirkung: Im vergangenen Jahr waren die Treibhausgasemissionen in unseren Märkten pro Quadratmeter Verkaufsfläche um bereits 49 Prozent niedriger als 2006. Damit rückt unser Ziel, bis 2022 eine Einsparung von 50 Prozent zu erreichen, in greifbare Nähe. „Diese Marke werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits im nächsten Jahr erreichen“, kündigt Günter Kabbe, Funktionsbereichsleiter Umwelt der REWE Group, an.

Was in den Märkten, also im Rahmen unserer eigenen Betriebstätigkeit, passiert, ist das eine. Aber auch entlang der Lieferkette unserer Produkte kommt es zu Treibhausgasemissionen – und auch dort gibt es Einsparpotential. Für THG, die entlang der vorgelagerten Lieferkette für Eigenmarken entstehen, setzen wir uns jetzt ein konkretes Sparziel: REWE und PENNY verpflichten sich, die Treibhausgasemissionen bis Ende 2030 mit einem absoluten Reduktionsziel um 15 Prozent im Vergleich zu 2019 zu senken. „Als einer der Ersten im deutschen Handel nehmen wir produktbezogene Treibhausgasemissionen, die in Zusammenhang mit der Produktion und dem Transport von Eigenmarken entstehen, verstärkt ins Visier. Das schließt auch den Bereich der Verpackung mit ein“, erläutert Maria Schäfer, Funktionsbereichsleiterin Nachhaltigkeit Ware.

Gut zu wissen

  • Bei unseren Sparanstrengungen orientieren wir uns als REWE Group am Ziel der Science Based Targets Initiative (SBTi), einem Zusammenschluss aus UN Global Compact (UNGC), World Resources Institute (WIR) und WWF: Mit wissenschaftlich basierten Klimazielen soll die globale Erderwärmung bis 2050 auf deutlich unter zwei Grad Celsius beschränkt werden – so wie es das Pariser Klimaabkommen von 2015 vorsieht.

Maßnahmen entlang der Lieferkette

Wie können wir Treibhausgasemissionen in den Eigenmarken-Lieferketten reduzieren? „Einsparungen in Höhe von 15 Prozent, zu denen sich REWE und PENNY verpflichtet haben, lassen sich nur erreichen, wenn wir unsere aktuellen Aktivitäten weiter verstärken und zusätzliche neue Maßnahmen entwickeln“, erläutert Maria Schäfer. Schon heute setzen wir zahlreiche Treibhausgas-reduzierende Maßnahmen entlang unserer Lieferketten um:

  • Bis Ende 2030 gestalten wir sämtliche Eigenmarken-Verkaufsverpackungen sowie Serviceverpackungen bei REWE, PENNY und toom Baumarkt umweltfreundlicher. Unsere Zwischenziele: Bereits bis Ende 2025 sollen alle Kunststoffverpackungen der REWE- und PENNY-Eigenmarken, die nicht vermieden werden können, recyclingfähig sein. Ebenfalls bis Ende 2025 wollen REWE und PENNY bei ihren Eigenmarkenverpackungen insgesamt 20 Prozent weniger Kunststoff verwenden. Bis Ende dieses Jahres wollen wir bei Papierverpackungen ausschließlich zertifizierte Rohstoffe einsetzen. Stand jetzt haben wir bei der REWE Group bereits mehr als 2.000 Eigenmarkenverpackungen umweltfreundlicher gestaltet. Mit den bereits umgesetzten Veränderungen sparen alleine REWE und PENNY aktuell pro Jahr etwa 8.900 Tonnen Kunststoff ein.
  • Die Verwendung von nachhaltigem Soja als Futtermittel hat dazu geführt, dass das gesamte Eigenmarkensortiment für Eier, Milch und frisches Geflügelfleisch bei REWE und PENNY bereits seit Ende 2019 zertifiziert entwaldungsfrei ist. Bis Ende 2025 sollen die Lieferketten in den Bereichen Holz/Papier, Palmöl und Soja-Futtermittel zu 100 Prozent entwaldungsfrei sein.
  • Bei Pro Planet-Gewächshauskulturen wie Paprika, Tomaten und Erdbeeren setzen REWE und PENNY auf ressourcenschonenden Anbau in besonders nachhaltig betriebenen Gewächshäusern. Vor allem durch den Einsatz regenerativer Energien gelingt es, die Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren.
  • Bis 2025 stellen wir das gesamte Erdensortiment bei REWE, PENNY und toom Baumarkt auf torffreie Alternativen um. Den Anfang hat toom Baumarkt bereits 2014 gemacht und begonnen, die Erden seiner Eigenmarke kontinuierlich gegen torffreie Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen zu tauschen.

Hot Spots aufspüren

Wir entwickeln stetig weitere produktbezogene Maßnahmen zur Einsparung von Treibhausgasemissionen. „Dazu muss man sich jeden Eigenmarken-Artikel anschauen und analysieren, an welcher Stelle der Wertschöpfungskette sich der – bezogen auf Treibhausgasemissionen – Hotspot befindet und reduzierende Maßnahmen ergreifen“, meint Maria Schäfer.

Völlig klimaneutral werden wir als REWE Group jedoch nie agieren können. „Es wird immer Restemissionen geben, die dann kompensiert werden müssen – etwa durch die Unterstützung von Aufforstungsprojekten oder die Förderung Erneuerbarer Energien, wie wir das mit Grünstrom machen, den wir über unseren Energiepartner EHA beziehen“, betont Günter Kabbe.

 

Die Maßnahmen entlang der Lieferkette noch einmal grafisch aufbereitet
Die Maßnahmen entlang der Lieferkette noch einmal grafisch aufbereitet

„Nur gemeinsam mit den Lieferanten“

Wir setzen uns in der REWE Group seit über zehn Jahren ehrgeizige Klimaziele: 2008 haben wir zum Beispiel als erster Lebensmitteleinzelhändler unsere Märkte, Verwaltungsstandorte, Läger und Reisebüros in Deutschland flächendeckend auf zertifizierten Grünstrom aus erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind und Solar umgestellt. Damit verbunden haben wir uns als Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen pro Quadratmeter Verkaufsfläche bis 2022 gegenüber 2006 zu halbieren – 49 Prozent dieses Klimaziels haben wir aktuell schon erreicht. Neben den Maßnahmen in unseren Märkten und Reisebüros haben wir auch Einsparpotenziale in den vorgelagerten Lieferketten unserer Eigenmarkenprodukte identifiziert und uns ein neues Ziel zum Klimaschutz gesteckt: Als eines der ersten Unternehmen im deutschen Handel verpflichten wir uns bei REWE und PENNY mit einem absoluten Ziel dazu, die Treibhausgasemissionen entlang der vorgelagerten Wertschöpfungsketten (inklusive Transport und Verpackung) bis Ende 2030 um 15 Prozent im Vergleich zu 2019 zu senken. Im Interview erläutert Maria Schäfer, Funktionsbereichsleiterin Nachhaltigkeit Ware, warum Klimaschutz über die eigene Betriebstätigkeit hinausgehen muss.

Beim Stichwort Klimaschutz denken viele zunächst daran, Märkte und Läger energiesparender zu betreiben und dabei möglichst auf Strom aus erneuerbaren Energien zu setzen. Jetzt nehmen wir bei der REWE Group für ein besseres Klima verstärkt unsere Eigenmarken-Lieferkette ins Visier. Warum?
Maria Schäfer
: Wenn wir einen Beitrag gegen die globale Erwärmung leisten wollen, haben wir mehrere Aktionsfelder. Wir können die Treibhausgasemissionen aus eigener Betriebstätigkeit reduzieren, indem wir energieeffizient arbeiten und verstärkt auf erneuerbare Energien setzen. Und wir können uns anschauen, wo entlang der Lieferkette unserer Eigenmarken Treibhausgase eingespart werden können. Auf allen Feldern sind wir bereits seit längerem erfolgreich aktiv. Nun stecken wir uns erstmals ein verbindliches Ziel, wieviel Treibhausgasemissionen wir entlang der Eigenmarken-Lieferkette einsparen wollen. Damit sind wir unter den Pionieren im deutschen Handel.

Maria Schäfer
Maria Schäfer Maria Schäfer, Leiterin Nachhaltigkeit Ware Non Food/Food, über Möglichkeiten, entlang der Lieferkette Treibhausgasemissionen einzusparen.

Bis zum Ende des Jahres 2030 sollen die Treibhausgasemissionen aus der Lieferkette 15 Prozent niedriger sein als 2019. Damit wird das in den nächsten Jahren erwartete Wachstum der REWE Group zu einer zusätzlichen Herausforderung.
Maria Schäfer:
Richtig. Je stärker der Konzern wächst, umso mehr müssen wir die Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen auch in der Lieferkette beziehungsweise bei unseren Produkten intensivieren, um das anvisierte Ziel zu erreichen. Denn es handelt sich um eine absolutes, sehr ambitioniertes Reduktionsziel, das sich an der Science Based Targets Initiative orientiert. Damit leisten wir einen konkreten, messbaren Beitrag zur Erreichung des von der Klimakonferenz in Paris 2015 formulierten Ziel, die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu beschränken.


Wie kann das gelingen? Wo gibt es das größte Einsparpotential?
Maria Schäfer: Wir haben bereits eine Vielzahl an Maßnahmen eingeleitet, um entlang der Lieferkette unserer Eigenmarken Treibhausgase zu reduzieren, insbesondere rund um das Thema Verpackungen. Zudem ergänzen wir unser Sortiment beständig um pflanzliche Alternativprodukte, etwa im Bereich der Milchprodukte. Wir führen Hafer- und Sojamilch und bieten neben Joghurt auch Soja-Joghurt. Trotzdem führt kein Weg daran vorbei, dass wir mehr tun müssen, um das gesteckte absolute Reduktionsziel zu erreichen. Das geht nicht im Alleingang. Wichtig ist, dass wir in enger Abstimmung mit dem Einkauf, dem Category Management und den Lieferanten nach Lösungen suchen.

„Wir möchten gemeinsam mit unseren Lieferanten innovative und vielversprechende Lösungen finden, um so die Treibhausgasemissionen für unsere Produkte Schritt für Schritt zu reduzieren.“Maria Schäfer

Wie groß ist die Bereitschaft der Lieferanten mitzumachen?
Maria Schäfer: Als es um die Optimierung von Verpackungen ging, standen wir am Anfang auch vor großen Herausforderungen, da das Thema zu diesem Zeitpunkt relativ neu war und sich kaum jemand in der Branche damit beschäftigt hatte. Als wir dann unsere Strategie veröffentlicht hatten, die Aufmerksamkeit größer wurde und auch unsere Mitbewerber ähnliche Ziele veröffentlichten, wurde es einfacher. Ähnliches erhoffen wir uns auch beim Klimaschutz – schließlich war die Erderwärmung bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie ein Megathema in Medien und Politik. Wir möchten gemeinsam mit unseren Lieferanten innovative und vielversprechende Lösungen finden, um so die Treibhausgasemissionen für unsere Produkte Schritt für Schritt zu reduzieren.

Gibt es schon Signale, wer mitmacht und wer eher bremst?

Maria Schäfer: Die Bereitschaft ist unterschiedlich. Wir haben große Lieferanten, beispielsweise in der Milchindustrie, die sich eigene Klimaziele gesetzt haben. Da sind wir schnell auf einer Linie. Andere Lieferanten sind noch nicht so sensibel für dieses Thema. Wir haben uns vorgenommen, sukzessive mit den Lieferanten Gespräche zu führen, um sie für dieses Thema zu gewinnen.

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