„Mut ist ein großes Thema“

Netzwerke für Frauen

Brauchen Frauen in 2020 wirklich noch eigene Netzwerke? Ja, finden Dr. Sonja Spürkmann und Bettina Mächler. Wer von dem Austausch profitiert und was ein gutes Unternehmens-Netzwerk ausmacht.

Ein paar Frauen ziehen zusammen an einem Seil und symbolisieren so den Zusammenhalt unter Frauen

Brauchen Frauen in 2020 wirklich noch eigene Netzwerke? Ja, finden Dr. Sonja Spürkmann und Bettina Mächler. Sie betreuen Netzwerke für Frauen bei der REWE Group und REWE digital. Wie der Austausch funktioniert, warum Mut beim Kontakte knüpfen und im Job so wichtig ist – und was die beiden Netzwerk-Neulingen raten.

Dr. Sonja Spürkmann
Dr. Sonja Spürkmann Dr. Sonja Spürkmann, Head of Category Management & Kundenservice, betreut ein internes Netzwerk für Frauen bei REWE digital.

Auf jeder Karrieremesse und von jedem Coach hören Fach- und Führungskräfte, dass nichts so wichtig ist wie ein funktionierendes Netzwerk. Gilt das auch für Netzwerke im Unternehmen?
Sonja Spürkmann: Netzwerken ist wichtig, ja. Aber dabei geht es für mich nicht nur darum, Kontakte zu knüpfen, um die Karriereleiter hochzuklettern. Ich schätze vor allem den Erfahrungsaustausch. Alle haben im Berufsalltag Fragen, die sie vielleicht nicht im Team oder mit der Chefin oder dem Chef besprechen möchten. Ein Netzwerk erlaubt mir, von den Erfahrungen anderer in einer ähnlichen Situation zu lernen und mich in einem geschützten Rahmen auszutauschen. Der Vorteil an einem firmeninternen Netzwerk ist, dass die Mitglieder oft ähnliche Fragen und eine gemeinsame Basis haben.

Bettina Mächler: Zusätzlich ist es eine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, die man dann auch mal auf dem kurzen Dienstweg ansprechen kann. In einem sehr großen Unternehmen wie der REWE Group hilft es ungemein, wenn man ein Gesicht zum Namen kennt und einen Anknüpfungspunkt hat. Die Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden immer größer, das Tempo immer schneller – ein gutes Netzwerk kann schlicht dabei helfen, seine Arbeit besser organisiert zu bekommen.

Bettina Mächler
Bettina Mächler Bettina Mächler betreut das Netzwerk für Frauen der REWE Group „f.ernetzt“.
„Wir möchten einen Raum zur Reflektion über diese Fragen bieten, in dem man Erfahrungen austauschen kann, ohne die Angst haben zu müssen, direkt bewertet zu werden.“ Sonja Spürkmann

Ihr betreut beide ein Netzwerk für Frauen der REWE Group beziehungsweise REWE digital. Macht ein reines Frauennetzwerk heutzutage überhaupt noch Sinn?
Bettina Mächler: Ich finde: ja. Denn unser wirtschaftliches Umfeld ist historisch begründet nun mal eher männerdominiert. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Frauen eine Arbeitserlaubnis ihres Mannes brauchten, um überhaupt einen Job anzunehmen. Die Zeiten liegen glücklicherweise hinter uns, aber noch immer sind Frauen in Führungspositionen und höheren Gehaltsklassen unterrepräsentiert. Daher braucht es – leider – noch einen geschützten Raum, um Frauen zu unterstützen, sich im Berufsleben zu entfalten. Nicht unbedingt, um nur „Karriere“ zu machen, sondern vielmehr um zu ermutigen, den eigenen Platz im Berufsleben zu reflektieren und sich dann bewusster für den eigenen Weg zu entscheiden.

Sonja Spürkmann: Unser Netzwerk „Coffee & Confidence” ist ursprünglich aus einem gemischten Netzwerk bei REWE digital namens „Shine“ entstanden. Wir haben jedoch gemerkt, dass Frauen nochmal andere Fragen mitbringen, denn die Rolle der Frauen in der Gesellschaft verändert sich seit einigen Jahren sehr stark: Welche Anforderungen werden von außen an mich gestellt? Welche Anforderungen stelle ich selbst an mich? Wie macht man sich frei von äußerlichen Zwängen, eine perfekte Mutter, Hausfrau, Karrierefrau zu sein? Wir möchten einen Raum zur Reflektion über diese Fragen bieten, in dem man Erfahrungen austauschen kann, ohne die Angst haben zu müssen, direkt bewertet zu werden. Und wir möchten vermitteln: Es ist völlig ok, sich für Familie oder Karriere zu entscheiden, oder auch beides zu wollen. Dafür ist ein vertrauensvoller Austausch in einer geschlossenen Community sehr wertvoll.

Sonja, du leitest bei REWE digital zwei Teams, das Category Management und den Kundenservice mit insgesamt 70 MitarbeiterInnen. Welche Themen beschäftigen deiner Erfahrung nach vor allem Frauen im Berufsleben?
Sonja Spürkmann: Die Frauen in meinen Teams beschäftigen thematisch sehr unterschiedliche Dinge, aber häufig spielt dabei Sicherheit eine Rolle: Sicherheit in dem zu finden, was man tut, wie man wirkt und wohin man sich entwickeln möchte. Denn bei REWE digital haben wir viele Kolleginnen, die noch am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen. Darum laden wir bei „Coffee & Confidence“ auch gelegentlich Frauen von extern ein, die von ihrem Karriereweg und ihren Herausforderungen erzählen, auch mal alternative Lösungen aufzeigen und dazu animieren, Dinge auszuprobieren und Fehler zu machen. Mut zu fördern, ist ein großes Thema.

Bettina Mächler (l.) und Sonja Spürkmann im Gespräch
Bettina Mächler (l.) und Sonja Spürkmann setzen sich für einen vertrauensvollen Austausch in einer geschlossenen Community ein.
„Wichtig ist eine Legitimation von ganz oben, außerdem ein klares Selbstverständnis und ein Ziel des Netzwerks.“ Bettina Mächler

Bettina, du betreust das Netzwerk für Frauen der REWE Group f.ernetzt – ist es da ähnlich?
Bettina Mächler: Auch bei den Kolleginnen, die sich im Berufsleben schon etabliert haben, ist Mut ein wichtiges Thema, aber aus einer anderen Perspektive: Viele trauen sich nicht zuzugeben, dass sie mit Herausforderungen kämpfen müssen und haben sich mittlerweile eine harte Schale zugelegt. In einem vertrauten Schutzraum haben sie die Möglichkeit anzusprechen, wo es gerade vielleicht nicht so läuft und sich Rat von anderen zu holen, ohne sich gefühlt eine Blöße geben zu müssen. Ich habe die Hoffnung, dass sich diesbezüglich die Fehlerkultur in unserer Gesellschaft noch weiterentwickelt. Wer mutig ist, macht auch Fehler – und das ist wichtig und richtig.

Was braucht ein gutes Netzwerk, damit es sich wirklich etabliert und die Mitglieder weiterbringt?
Sonja Spürkmann: Vor allem: Raum und Unterstützung, insbesondere von Führungskräften. Es muss anerkannt werden, dass es wichtig ist, wenn sich Frauen in einem Netzwerk engagieren. Bei REWE digital wird das zum Glück schon sehr gelebt und Mitarbeitende werden ermutigt, sich in unterschiedlichen Gruppierungen in das Unternehmen einzubringen. Wir haben diverse crossfunktionale Teams, die sich mit Unternehmensthemen beschäftigen, sei es Meeting-Kultur oder Karriereplanung.

Bettina Mächler: Ich würde auch sagen: Wichtig ist eine Legitimation von ganz oben, außerdem ein klares Selbstverständnis und ein Ziel des Netzwerks. Damit steht und fällt die Motivation der Frauen, sich zu engagieren. Nur dann kann das Netzwerk sich nach außen und nach innen so gut etablieren, dass ein Netzwerktreffen die gleiche Wichtigkeit wie ein Arbeitstermin hat. Denn nichts anderes ist es ja: Wir trinken hier nicht nur Kaffee, wir arbeiten hier, tauschen uns aus, entwickeln uns weiter. Das nützt letztlich dem Unternehmen.

Inwiefern?
Sonja Spürkmann: Für den unternehmerischen Erfolg ist es wichtig, Diversität in den Kompetenzen zu haben – allein schon, weil zukünftige Generationen ganz andere Anforderungen an Führung haben werden. Das ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit Diversität in den Geschlechtern, hängt aber zusammen. Studien haben herausgefunden, dass vielfältig zusammengesetzte Teams erfolgreicher sind. Gerade im Kontext von Digitalisierung müssen Unternehmen darüber nachdenken, wie sie fit werden können für die Zukunft der Arbeitswelt, wie sie traditionelle Arbeitsstrukturen aufbrechen und innovativer werden. Häufig kommen Unternehmen zu dem Schluss, einiges hinterfragen zu müssen. Da kommen dann die vielfältigen Teams ins Spiel.

„Zu sehen, was andere Frauen schon geschafft haben, macht Mut.“Sonja Spürkmann

Wie kann man sich eure Netzwerktreffen vorstellen?
Sonja Spürkmann: Bei Coffee & Confidence bearbeiten wir monatlich unterschiedliche Themen. Mal schauen wir auf Werte oder die persönliche Roadmap, regelmäßig laden wir auch Vorbilder ein, die von ihren Erfahrungen berichten: Zuletzt zwei Gründerinnen, die über Mut gesprochen haben. Welche Hürden haben sie gemeistert? Wie bekommen Frauen Karriere und Mutter sein unter einen Hut? Wie gehe ich mit Rückschlägen um? Wie bewege ich mich aus meiner Komfortzone? Zu sehen, was andere Frauen schon geschafft haben, macht Mut. Besonders schön war der offene und vertrauensvolle Austausch in der anschließenden Diskussion. Da wurden auch mal Fehler zugegeben oder von schwierigen Situationen berichtet, denn es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Diese Ehrlichkeit im Netzwerk ist ganz wichtig.

Bettina Mächler: Bei f.ernetzt treffen wir uns in regelmäßigen Abständen in der Mittagspause. Unsere Schwerpunkte sind New Work, Führen, persönliche Entwicklung und Beruf und Familie. Wenn es sich thematisch ergibt, laden wir Referentinnen als Impulsgeber ein oder besuchen einen anderen Unternehmensbereich. Beim letzten Treffen standen zum Beispiel Team-Retrospektiven im Mittelpunkt. Außerdem versuchen wir immer, einen Rahmen zu schaffen, in dem die Teilnehmerinnen miteinander in Kontakt kommen können. Die erste gemeinsame Veranstaltung von f.ernetzt und Coffee & Confidence hat gezeigt, dass wir in der REWE Group es schaffen können, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und offen zu sprechen. Die Resonanz aus den REWE Group Zentralstandorten und REWE digital war sehr gut, viele Kolleginnen hatten direkt Anknüpfungspunkte.

Wird es weitere gemeinsame Veranstaltungen geben?
Sonja Spürkmann: Auf jeden Fall. Interessentinnen können sich gern bei uns melden und erfahren per Mailverteiler von anstehenden Veranstaltungen. Daneben wird es aber auch weiterhin separate Veranstaltungen an unseren Standorten in der Stolberger Straße beziehungsweise dem Carlswerk in Köln geben.

Was ist euer Netzwerk-Tipp für Berufseinsteigerinnen oder Frauen, die sich mit dem Thema bisher noch nicht so sehr beschäftigt haben?
Bettina Mächler: Geht auf alle öffentlichen Veranstaltungen, die euch interessieren. Fragt rum, macht euch schlau, was es alles gibt und verlasst einfach mal die Komfortzone. Je öfter man etwas ausprobiert, desto mehr Routine bekommt man.

Sonja Spürkmann: Mutig sein, ausprobieren, sich selbst ausprobieren – nur so kann man lernen, was man selbst möchte. Ich kann aus meinem Berufsleben bei REWE digital und vorher bei der REWE Zentrale sagen: Niemand hat mich jemals zurückgewiesen, wenn ich Unterstützung brauchte, Fragen oder Ideen hatte. Die größte Barriere ist im Kopf, und die kann man überwinden.

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